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Ein Blick in viele Leben

Das Debüt von Julia Phillips (übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda) taucht mit der inhaltlichen Klammer rund um das Verschwinden von zwei Schwestern auf der sibirischen Halbinsel Kamtschatka in viele Leben ein.

 

Der Aufbau des Romans ist multiperspektivisch und stellt uns pro Kapitel (eingeteilt in die vergehenden Monate) jeweils eine Frauenfigur vor.  Beginnend mit den Schwestern, die entführt werden, nähern wir uns so dem Leben auf der Halbinsel, den verschiedenen politischen und sozialen Aspekten, aber auch der Geschichte rund um die Entführung, die auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlicher Nähe zum Vorfall immer wieder thematisiert wird. 

 

Lebensentwürfe werden hinterfragt, Trauer dargestellt, Abhängigkeiten geschildert und Geschichten aus mehreren Perspektiven erzählt. Der Text zeichnet sich auch durch Selbsterkenntnis und -reflexion aus: "Es war das, was sie tat: leben, wenn andere es nicht konnten. Es war keine Freude." (S. 215)

 

Die auf dem Buchcover versprochene atemlose Spannung ist zunächst eher ein Wissensdrang, der zum Weiterlesen anregt und sich im letzten Drittel des Textes zu einem Sog steigert. Das Ende ist Geschmackssache, passt aber zur Entwicklung des Textes, der Verknüpfungen herstellt, die man zunächst nicht erwartet hätte.

 

Eine klare Leseempfehlung für alle, die spannende, gesellschaftskritische und multiperspektivische Romane mögen. 

 

Zum Buch: Das Verschwinden der Erde

 

*Kiara

 

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