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Mikrokosmos Mehrfamilienhaus

Ameisenmonarchie von Romina Pleschko zeigt der Leser*in einen Mikrokosmos, den Mikrokosmos Mehrfamilienhaus, in dem die Eigenarten und Abgründe der Hausbewohner*innen beleuchtet werden. 

 

Alle Figuren sind auf ihre Weise unsympathisch und haben Eigenschaften, die abstoßend und teilweise sogar ekelhaft wirken. Da ist der Frauenarzt, der Frauen eigentlich verabscheut. Die Frau, die seit Monaten unbemerkt nicht mehr mit ihrem Mann und ihrem Sohn spricht. Der Mann, der seine Frau geschickt mit Betäubungsmitteln sediert, damit sie "ausgeglichener" ist. Der stalkende Nachbar, der auf allen Ebenen unverständlich und abstoßend agiert. 

 

Es ist nicht immer ein Vergnügen, diesen Roman zu lesen. Er ist schonungslos offen, versammelt ein schräges Personal, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt weltfremd oder überkonstruiert. So wirken Prozesse überlegt ("Sie hatte genug davon, nicht mit dem Tempo der Außenwelt mithalten zu können, sich schwindlig zu fühlen, während alle anderen an ihr vorbeirasten, und immer drei lange Sekunden zu spät zu antworten, wenn sie der Alltag in eine Konversation zwang." (S. 60)) und die eigentliche Tragik entsteht durch die abgründigen Gefühle der Figuren. 

 

Ein Roman, der lange nachhallt und zum Nachdenken anregt. Eine Empfehlung für alle, die gerne schräge, kuriose Texte mögen, die nicht immer angenehm zu lesen sind. 

 

Zum Buch: Ameisenmonarchie

 

*Kiara

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