· 

Das etwas andere Ehe-Aus

Ehrlich gesagt habe ich zunächst etwas in der Art wie Die Giftköchin von Arto Paasilinna erwartet. Voll dunklem Humor und so einprägsam, dass man das Buch über Jahre hinweg nicht vergisst. Ich muss allerdings sagen, dass Beim Morden bitte langsam vorgehen von Sara Paborn etwas ganz anderes ist. Es ist ein Roman über Abscheu, die sich nach vielen gemeinsamen Jahren in der Ehe von Irene angestaut hat, und über Egoismus, der sie verleitet, Dinge zu tun, die ich nicht nachvollziehen kann. 

Einerseits ist einem Irene mit ihrer Lesewut und dem Sinn für schöne Dinge sympathisch, andererseits ist man abgestoßen und befremdet von ihrem Verhalten gegenüber ihrem Mann. Denn Irene macht Nägel mit Köpfen und beschließt irgendwann, dass eine Scheidung ihr nicht ausreichen würde und dass sie ihren Mann auf langwierige und geduldige Art "zu Tode kochen" muss. So klug der Roman insgesamt aufgebaut ist, so verstörend ist das zunehmende Aufleben Irenes während des Verfalls ihres Mannes. Auch mit Rückblenden auf die Vergangenheit der Eheleute will man als Leser nicht vollständig begreifen, warum Horst täglich von seiner Frau ein bis zwei Löffel Bleizucker in den Kaffee gerührt bekommt und diese seinen langsamen Verfall nicht nur beobachtet, sondern sogar genießt. Ja regelrecht aufblüht, während er verblüht.

Versteht mich nicht falsch, Horst ist ein Ekel und ich wäre nicht gerne mit ihm verheiratet, schon gar keine 39 Jahre, aber es ist doch befremdlich, dass man jemanden, mit dem man so eine lange Zeit seines Lebens verbracht hat, nicht wenigstens überleben sehen kann. Für mich war der Roman gut zu lesen, interessant und abstoßend gleichermaßen. Wäre Irene nicht jederzeit so gelassen und (fast) ohne Gewissensbisse geblieben, hätte ein sehr aufwühlendes Seelengemälde daraus werden können. Aber vielleicht ist genau das die Absicht des Buches. Jemanden zeigen, der sich nicht vor Selbstzweifeln zerfleischt, sondern sein Schicksal in die Hand nimmt, so seltsam es auf den Leser auch wirken mag. 

In diesem Sinne: "Eine Beziehung ist wie Literatur. Etwas, das durch Blicke entsteht, durch Worte, in den Zwischenräumen. Es lässt sich nicht einfangen, weil man es so beschlossen hat." (S. 211)

Zum Buch: Beim Morden bitte langsam vorgehen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0