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Ist es hier wirklich schön?

Der Roman beginnt mit Briefen. Briefe, die alle an Irma gerichtet sind. Von Freunden, Verwandten, Bewunderern. Im Laufe dieser Briefe erfährt man, dass Irma an einer Reality Show teilnimmt, die einen Jungen und ein Mädchen für die Besiedelung eines neuen Planeten auswählt. Und sie wird tatsächlich genommen. Die Briefe wandeln sich von hoffnungsvoll (vor allem Irmas Eltern und Freunde wünschen sich dringend, dass sie nicht ausgewählt wird) zu teilweise wütend und letztlich vor allem von ihren Eltern zu verzweifelt und traurig. 

Diese Entwicklung ist auch für den Leser schwer zu verkraften. Oft kann man nicht nachvollziehen, wieso Irma auch auf die herzzerreißenden Briefe ihrer Mutter nicht reagiert. Während all der Zeit ihres Trainings bis zum geplanten Abflug zum Planeten keine Antwort verfasst. 

Außer Irma wurde auch Sam ausgewählt, der Junge ohne Vergangenheit, der vom Studio adoptiert wurde und damit in erschreckender Weise Truman aus Die Truman Show ähnelt. Die Perversität dieses Films spiegelt sich auch in der Verhaltensweise der "Masken" Sam gegenüber wider. Denn Sams Dasein ist sogar noch extremer als das von Truman im Film. Sam muss sogar auf gespielte Nähe verzichten, denn er begegnet Tag für Tag nur Menschen mit "Masken", die sich zwar um seine Bedürfnisse kümmern, aber völlig austauschbar sind. 

Kurz vor dem Abflug will Sam aus dem Ganzen ausbrechen und zieht Irma hinein in ein Abenteuer in der "echten" Welt, die ihm jedoch mit Ressourcenknappheit, Gewalt und Kargheit begegnet und letztlich vielleicht auch genauso inszeniert ist, wie seine künstliche Welt. 

Annika Scheffel erzählt in ihrem Roman von Identitätssuche, der Perversität von Reality Shows, aber auch von extremen Lebensumständen, die vielleicht nicht all unsere Entscheidungen nachvollziehbar machen. Wieweit ist man bereit zu gehen? Welche Emotionen sollte man zulassen? Und ist am Ende alles inszeniert? Zwischen Science Fiction und Dorfidylle stellt Hier ist es schön sehr aktuelle Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Ohne dabei allerdings zu konkret zu werden oder allzu viel Hoffnung zu versprechen. Aber letztlich hängt es dann doch von der individuellen Einstellung ab, denn: 

"Lass die Kometen kommen, die Sonne verglühen, die Menschheit völlig den Verstand verlieren und die scheiß Flüsse aufwärts fließen, hier ist es schön." (S.18)

 

Zum Buch: Hier ist es schön

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