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Geschichten nach dem Tod

„Trauer ist wie ein Schatten. Der richtet sich nach dem Stand der Sonne, fällt morgens anders als abends.“ (S. 7)

 

Was bleibt, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Wie fasst man das Unvorstellbare in Worte und wie bewältigen Familie, Freunde und Bekannte das, was man gemeinhin als Trauer bezeichnet?

 

Peter Zantingh macht genau diese Fragen zum Gegenstand seines Romans Nach Mattias. Dabei wird schnell deutlich, dass Trauer viele verschiedene Schattierungen hat und jeder ganz unterschiedlich damit umgeht.

Mattias ist tot. Seine Freundin, seine Mutter, die Großeltern, sein bester Freund und viele andere bleiben zurück und müssen irgendwie weitermachen. In klarer Sprache und unverkitscht erzählt der Roman mit wechselnden Perspektiven die verschiedenen Geschichten nach Mattias und verwebt die Schicksale dieser Menschen. Eindringlich ist dabei beispielsweise die Geschichte von Quentin, Mattias‘ bestem Freund, der seiner Trauer in Laufschuhen davonrennen möchte und erst durch eine neue, außergewöhnliche Begegnung den Mut findet, sich seinem Verlust zu stellen. Im Kontrast zu Quentins Flucht konfrontiert sich Mattias‘ Mutter immer wieder mit ihrem Schmerz und verarbeitet diesen durch Gespräche, die ebenfalls zu ungewöhnlichen Begegnungen führen und dem Leser letztlich Antworten liefern.

 

Die Figuren wirken authentisch. Als Leser würde man einzelne Personen jedoch gerne noch länger begleiten. Mit anderen wird man dafür weniger warm. Eine der Figuren fällt sogar zunächst so sehr aus dem Rahmen, dass man vergeblich die Verbindung zum Verstorbenen sucht und kurz den Faden verliert.  

Die große Stärke des Romans sind aber die Erzählungen über und Erinnerungen an Mattias, die so deutlich sind, dass man als Leser am Ende das Gefühl hat, ihn gekannt zu haben. Wie ein Puzzle setzt sich Mattias‘ Wesen nach und nach zusammen. Dies gilt auch für die Frage nach der Todesursache, die den Leser von Anfang an beschäftigt und zunächst unbeantwortet bleibt. Dieser Aspekt wird so erst im letzten Teil des Romans thematisiert und sorgt für einen interessanten Twist.

Der Roman ist eine Empfehlung an alle, die gerne in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren eintauchen und Perspektivenwechsel mögen. Aber auch für die, die außergewöhnliche Erzählstile lieben und gerne emotionale, aber unverkitschte Texte lesen, die noch lange nachhallen. 

 

*Meike

 

Zum Buch: Nach Mattias

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